Alex Capus - Bild: Mergime Nocaj

Alex Capus: Vom Pascha zum Wirt

Alex Capus: Vom Pascha zum Wirt 1536 2048 Sintagma | Create. Communicate. Inspire.

Manchmal schliesst sich der Kreis auf überraschende Weise.

Als ich Alex Capus im April 1997 für das Kulturressort des Zofinger Tagblatts im Saal des Goldenen Ochsen zuhörte, war er 36, Journalist und Autor, mit frisch erschienenem Debütromans: „Munzinger Pascha” (damals bei Diogenes erschienen, heute bei Hanser erhältlich), die Geschichte eines Oltner Abenteurers, der es im Osmanischen Reich zum Pascha brachte. Fast drei Jahrzehnte später lebt Capus noch immer in Olten – nur dass er dort inzwischen selbst zum Wirt geworden ist: Mit der Galicia Bar führt er eine Kultbar und einen Kulturtreff mit Bühne, Konzerten und Lesungen. Und mit “Querfeldein” (Hanser, erscheint am 21. Juli 2026) erzählt sein neuer Roman ausgerechnet die Geschichte eines Gasthof-Wirts.

Grund genug, meinen Originaltext von damals aus dem Archiv zu holen.

Bild: © Mergime Nocaj


Spannende Autorenlesung mit Alex Capus im Restaurant zum Goldenen Ochsen in Zofingen

Der Oltner Alex Capus las am letzten Freitagabend vor vollem Saal aus seinem Erstlingsroman „Munzinger Pascha”. Mit viel Witz und einer wunderbar bildlichen Sprache katapultierte er als Führer die Anwesenden ins letzte Jahrhundert, auf die Spuren des Oltner Sprach- und Forschungsreisenden Werner Munzinger in der kolonialen Atmosphäre Nordafrikas.

Das sich am Freitagabend, 4. April 1997, im Saal des Goldenen Ochsen in Zofingen eingefundene Publikum erwartete eine amüsante und kurzweilige Autorenlesung des 36-jährigen Oltner Journalisten und Schriftstellers Alex Capus. Sein erfolgreicher Erstlingsroman, im Februar dieses Jahres im Diogenes-Verlag Zürich erschienen, ist bereits ein Bestseller und hat ein grosses Medienecho ausgelöst. Mit „Munzinger Pascha” sammelte er während eineinhalb Jahren explosiven Stoff für seinen Roman: Munzinger, der Abenteurer, Bundesratssohn, Aussteiger und Träumer, flieht Mitte des 19. Jahrhunderts, kurz nach der Gründung der modernen Schweiz, aus dem kleinbürgerlich-miefenden Olten nach Afrika, um dort als Händler und Forschungsreisender zu leben und schliesslich zum Pascha des Osmanischen Reiches ernannt zu werden. Capus verknüpft die abenteuerliche historische Geschichte mit derjenigen des fiktiven Lokalredaktors Max Mohn, der hundertfünfzig Jahre später zufällig auf Munzinger stösst, seinen Spuren nachgeht und sich an die Aufarbeitung der Dokumente macht.

Capus ist 1961 in Frankreich geboren, hat in Basel Geschichte und Philosophie studiert und lebt heute als freier Journalist und Schriftsteller in Olten und Italien. Bereits 1994 gab er im Eigenverlag einen Band mit 12 Kurzgeschichten heraus, „Diese verfluchte Schwerkraft” (édition des copains, Olten), den er auch selbst vertrieb. Ein Jahr danach wurde ihm vom Kanton Solothurn ein Werkjahrbeitrag zugesprochen. Der Diogenes-Verlag wurde auf ihn aufmerksam und wollte ein Buch von ihm veröffentlichen, am liebsten einen Roman. Capus hatte keinen fertigen Roman in der Schublade, aber bereits einen in Arbeit: über eine Oltner Lokalgrösse mit einem so exotischen und spannenden Leben – Werner Munzinger, der es im letzten Jahrhundert im Nahen Osten zu Ruhm und Ehre gebracht hatte. Auf den Darsteller seines Romans stiess er zufällig während einer Parlamentssession im Bundeshaus, der er für die Schweizerische Depeschenagentur (sda) beiwohnte.

Schon seine Kurzgeschichten zeugen von seiner Sprachkraft, seiner Fähigkeit, Oltner Realität mit Witz und Charme umzusetzen und den Leser in einfache, aber umso wirklichkeitsnähere Geschichten eintauchen zu lassen. Der Autor braucht keine Sensationen, seine Art zu betrachten und zu schildern gibt jedem Stoff Kraft. Wie der fiktive Journalist Max Mohn widmete sich der Autor für seinen Roman ausgedehnten Recherchen und reiste nach Kairo, wo er im Nationalarchiv eine Fülle von Dokumenten zu Munzinger fand, die während 120 Jahren unbeachtet dort gelegen hatten, fast als hätten sie auf ihn gewartet. Eine weitere Reise unternahm er nach Keren und Massaua im heutigen Eritrea, wo Munzinger Dämme und eine Wasserleitung bauen liess, und sprach mit älteren Menschen, denen Munzinger als „Gerechter” in guter Erinnerung geblieben ist. Der aus einer stolzen und selbstbewussten Familie stammende Oltner hatte in Paris orientalische und semitische Sprachen gelernt und erlangte als selbsternannter Richter grosses Ansehen in dem von räuberischen Beduinenstämmen und Piraten beherrschten Ostafrika, wo die Blutrache über Generationen hinweg ganze Familien dezimierte.

Die im Roman beschriebenen Vorfälle sind teilweise auch fiktiv, wie der Schriftsteller im Gespräch erwähnte. Zum grossen Teil entstammen sie jedoch den minuziös in Werner Munzingers Büchern und völkerkundlichen Artikeln niedergeschriebenen Geschichten. Sein abenteuerliches Leben ist von Capus in einen packenden historischen Roman erzählt, so frisch und lebendig, als wäre man selber an Ort und Stelle mit dabei. Die Lesung fand sehr guten Anklang: Das Feedback des Publikums wie auch der lange Applaus zeigten, dass Alex Capus und seinem literarischen Schaffen grosse Ehre gebührt.

Angela Maria Carlucci – Zofinger Tagblatt, 4. April 1997


Alex Capus lebt heute in Olten und zählt zu den erfolgreichsten Schweizer Autoren. Bei Hanser erschienen unter anderem “Léon und Louise” (2011), die Spiegel-Bestseller “Susanna” (2022) und “Das kleine Haus am Sonnenhang” (2024). Sein neuer Roman “Querfeldein” erzählt die Geschichte eines Gasthofs im Grenzdorf Ramsen und erscheint am 21. Juli 2026 bei Hanser.

Bücher: Munzinger Pascha (Diogenes-Erstausgabe) · Munzinger Pascha (heute bei Hanser) · Querfeldein


Angela ist Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin | Autorin, Referentin, Coach | Entrepreneurin
“Ich liebe Sprachen, Kommunikation, das Empowerment von Menschen und setze gerne neue Impulse. Kommunikation ist meine Leidenschaft.” 

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